Zusammen zum Ziekowkiez

Zusammen zum Ziekowkiez
Interview

Frühzeitig, offen und ehrlich kommunizieren

Sebastian Krüger, Regionalleiter im Berliner Norden, spricht im Interview über die Herausforderungen der anstehenden Quartiersentwicklung im Ziekowkiez. Wichtig ist ihm, dass die Identität des Quartiers erhalten bleibt und die Mieterinnen und Mieter weiterhin das Grün im Kiez genießen können.

Interview mit Sebastian Krüger

Sebastian Krüger Regionalleiter Berliner Norden
Sebastian Krüger Regionalleiter Berliner Norden
Welche Aufgaben bringt so eine Quartiersentwicklung mit sich?

Eine Quartiersentwicklung ist ein großes, langfristiges Projekt und für das Team vor Ort und die Fachabteilungen gibt es verschiedenste Aufgaben.

Was man vor allem braucht, ist Durchhaltevermögen. Von der ersten Idee bis zur Umsetzung ist es manchmal ein langer Weg. Vor allem, weil der Projektfortschritt nicht nur vom eigenen Handeln abhängt, sondern auch von der Zuarbeit und Bereitschaft externer Partner. Das größte Thema ist, glaube ich, Kommunikation. Also die Kommunikation intern und extern aufrecht zu halten und sich und sein Projekt immer wieder in Erinnerung zu rufen, wenn es mal ins Stocken gerät.

Meine persönlich wichtigste Aufgabe und zugleich größte Herausforderung ist natürlich, immer den Überblick zu behalten, dass alles irgendwie am Laufen ist, dass man in Budgets und in den Zeitplänen bleibt und dass jeder mitgenommen wird.

Nach welchen Kriterien wird ein Quartier ausgesucht, das weiterentwickelt werden soll?

Da gibt es eigentlich keine festen Kriterien, keine Checkliste, auf der man Punkte abhakt. Grundsätzlich spielt natürlich der Zustand der Gebäude immer eine große Rolle. Befinden sie sich in einem zeitgemäßen Zustand? Haben wir genug Platz für eine Nachverdichtung und können sich die Mieter eine höhere Miete überhaupt leisten?

Wie nimmt man die Mieter am besten mit?

Das ist für uns – neben den technischen Aspekten – die größte Herausforderung. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, frühzeitig, offen und ehrlich zu kommunizieren. Das heißt konkret: Nichts verstecken und die Mieter so früh informieren, dass sie auch wirklich das Gefühl haben, mitgenommen und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Vor den Medien, vor allen anderen Beteiligten, informieren wir zuerst unsere Mieter.

Im vergangenen November haben wir mit der Infoveranstaltung „Zusammen zum Ziekowkiez“ im Rathaus Reinickendorf begonnen, die Mieter zu informieren – es war ein super Termin und wir haben viel positives Feedback von unseren Mietern bekommen.

Außerdem ist da noch unser Kiezschaufenster in der Ziekowstraße: An drei Tagen in der Woche beantworten hier unsere Ansprechpartner alle Fragen rund um die Quartiersentwicklung. Die Mieter müssen aber nicht zu uns kommen, wir kommen auch zu ihnen: Wir haben über den Jahreswechsel Haustürgespräche im Ziekowkiez durchgeführt und konnten gut ein Drittel der Haushalte über das Vorhaben informieren. In diesen Gesprächen, genau wie in eigens veranstalteten Werkstätten, können die Mieter auch eigene Ideen und Wünsche einbringen. Das braucht zwar Zeit, aber wir erhoffen uns dadurch eine größtmögliche Akzeptanz in der Mieterschaft.

Mit allen anderen Partnern vor Ort, wie etwa der AWO, sind wir natürlich auch im Gespräch. Wenn man mehr Familien in das Quartier holen will, müssen zum Beispiel ausreichend Kindergartenplätze bereitgestellt werden.

Wie machen Sie das Quartier Ziekowkiez „fit für die Zukunft“?

Wir wollen die Siedlung so weiterentwickeln, dass sich sowohl Familien als auch alle anderen Bewohner wohl fühlen. Die Gebäude aus den 50er-Jahren müssen dafür umfassend modernisiert und an die heutigen energetischen Standards angepasst werden. Wir möchten auch das Miteinander verschiedener Generationen gestalten und weiterentwickeln, um Menschen in jeder Lebensphase ein Zuhause zu bieten. Aktuell haben wir einen homogenen Bestand mit vielen 2-Zimmer-Wohnungen. Das wollen wir ändern, indem wir durch Dachgeschossaufstockungen und Ergänzungsbauten schönen neuen Wohnraum für Familien und Singles schaffen. Wir wollen aber auch die älteren Menschen mitnehmen. Das erreichen wir durch unser Projekt „Seniorenwohnen im Ziekowkiez“. Im Rahmen einer Kooperation mit den Johannitern entstehen im Herzen der Siedlung schicke, gemütliche und seniorengerechte 1- und 2-Zimmer-Wohnungen. Damit geben wir den Mietern die Möglichkeit, im Kiez alt zu werden.

Was ist den aktuellen Mietern besonders wichtig?

Schon zu Beginn der Planungen haben wir uns gefragt: „Was machen wir für die Mieter? Wo sehen wir Probleme?“ Wir wissen: Parkplätze sind ein großes Thema – so wie vielerorts in Berlin. Wir haben bereits einige Ideen, wie wir die Stellplatzsituation verbessern können. Wir wollen unseren Mietern auch Alternativen zum eigenen Pkw anbieten wie Carsharing, Lasten- und Fahrradverleih oder Elektromobilität. Wir möchten gemeinsam mit den Mietern ein Mobilitätskonzept entwickeln. In diesem Sommer geht es hierfür mit einer ersten Werkstatt los.

Weitere Themen, die unsere Bestandsmieter beschäftigen, sind die Müllplatzsituation und die Beleuchtung im Kiez. Diese „Schwachstellen“ wollen wir selbstverständlich auch anpacken.

Darüber hinaus möchten wir die neu geschaffenen Hofsituationen dazu nutzen, neue Angebote für die Mieter zu schaffen. Die Höfe sind zwar grün und es gibt viele schöne Bäume – es hält sich jedoch kaum jemand dort auf. Das wollen wir durch neue Sitzgelegenheiten, Gemeinschaftsgärten und Spiel- und Bewegungsflächen für Jung und Alt ändern. Dadurch fördern wir das nachbarschaftliche Miteinander und verbessern gleichzeitig die Wohn- und Lebensqualität für die Bestandsmieter.